Drei Jahre Zentrum Tourismus: Ein Blick in die digitale Zukunft
Wie verändert digitale Technologie den Tourismus – und was bedeutet das für kleine und mittlere Unternehmen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung „Digital. Tourismus. Zukunft.“ des Mittelstand-Digital Zentrums Tourismus auf dem EUREF-Campus in Berlin.
Digitale Technologien zum Anfassen
Rund drei Jahre nach dem Start des Zentrums kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismuswirtschaft, Verbänden und Wissenschaft zusammen, um Bilanz zu ziehen und nach vorn zu schauen. Im Fokus: konkrete Beispiele aus der Praxis, neue Impulse rund um Künstliche Intelligenz und die Frage, wie Tourismusbetriebe ihre Angebote mit digitalen Lösungen stärken können.
Statt nur über Digitalisierung zu sprechen, konnten die Gäste vor Ort zahlreiche Technologien selbst ausprobieren.
Im Escape-Room „Escape Challenge Tourismus“ lösten die Teilnehmenden Rätsel und lernten dabei spielerisch den Einsatz von Augmented Reality, KI und weiteren digitalen Tools kennen. Ein KI-gestützter Deep-Fake-Simulator demonstrierte, wie schnell sich Stimmen imitieren lassen – ein Anlass, sowohl über Chancen als auch über Risiken nachzudenken.
Für Gesprächsstoff sorgte auch der humanoide Roboter Pepper, der zum Mitmachen und Nachdenken über zukünftige Service-Szenarien im Tourismus einlud. Ergänzt wurde das Angebot durch kompakte Hinweise zur IT-Sicherheit: Von der Transferstelle Cybersicherheit gab es Notfalltipps im handlichen Format – damit im Ernstfall schnell reagiert werden kann.
Praxisbeispiele aus Hotels, Regionen und Erlebnistourismus
Besonders greifbar wurde die Arbeit des Zentrums durch die Einblicke aus realen Projekten. Ein Hotel berichtete, wie es mithilfe eines ESG-Forschungsprojekts digitale Daten für die Bewertung der eigenen Energieeffizienz nutzt. Ein Kanuverleih schilderte, wie ein Chatbot typische Gästefragen beantwortet und gleichzeitig Buchungsanfragen automatisiert – ein Plus für Service und Effizienz.
Gemeinsam mit einer touristischen Region entwickelte das Zentrum Ideen für digitale, interaktive Schloss-Erlebnisse, die Gästen neue Zugänge zu historischen Orten eröffnen. Ein Unternehmen aus dem Schiffs- und Radreisesegment teilte Erfahrungen aus dem Software-Testing: Nicht jede intern beliebte Lösung kommt bei Gästen gut an – und manchmal bedeutet Digitalisierung, mutig nachzujustieren.
Lernen, ausprobieren, nachjustieren
In den Diskussionen wurde deutlich: Digitalisierung im Tourismus ist kein einmaliges Projekt, sondern ein laufender Lernprozess. „Man muss ausprobieren, Feedback ernst nehmen und Lösungen so lange anpassen, bis sie wirklich zum Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer passen“ – diese Haltung zog sich wie ein roter Faden durch die Erfahrungsberichte.
Ein zentrales Element in der Arbeit des Zentrums ist daher Qualifizierung. Besonders gefragt war in den vergangenen Jahren die Weiterbildung zum Digital- und Innovationscoach, die Tourismusakteure befähigt, digitale Vorhaben im eigenen Betrieb strategisch voranzutreiben.
KI als Infrastruktur – nicht nur als Tool
Mit einem Impulsvortrag blickte Prof. Dr. Roman Egger auf die Rolle von Künstlicher Intelligenz im größeren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext. Er machte deutlich, dass KI – ähnlich wie Elektrizität oder das Internet – langfristig ganze Infrastrukturen und Geschäftsmodelle verändert und nicht nur als Sammlung einzelner Anwendungen verstanden werden sollte.
Digitale Werkzeuge, analoge Erlebnisse
In der anschließenden Podiumsrunde mit Vertretungen aus Tourismusverbänden wurde diese Perspektive auf die Realität der Branche heruntergebrochen. Tourismusbetriebe stehen unter dem Druck, gleichzeitig in neue Technologien zu investieren, Fachkräfte zu sichern und auf globale Krisen zu reagieren – und das oft mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen.
Trotz rasanter technologischer Entwicklungen war sich das Podium in einem Punkt einig: Das Herzstück des Tourismus bleibt das Erlebnis vor Ort. Digitale Lösungen sollen Prozesse erleichtern, Buchungen vereinfachen und Kommunikation verbessern – sie ersetzen aber nicht das gemeinsame Erlebnis von Gästen und Gastgebern.
Wenn Technologien Zeit sparen, kann diese Zeit in persönliche Begegnungen und besondere Momente mit Gästen investiert werden.
Drei Jahre – und viele Ideen für die nächsten
Seit seiner Gründung hat das Zentrum zahlreiche Veranstaltungen, Workshops und Projekte mit Unternehmen umgesetzt und dadurch tausende Teilnehmende erreicht. Das Jubiläum bot die Gelegenheit, diese Ergebnisse sichtbar zu machen und persönliches Feedback einzuholen – vor allem aber war es ein Startpunkt für die nächsten Schritte.
Denn klar ist: Die digitale Transformation im Tourismus geht weiter. Mit neuen Angeboten, Projekten und Formaten bleibt das gemeinsame Ziel bestehen, die deutsche Tourismusbranche digital stärker, resilienter und zukunftsfähig zu machen.
Autorinnen: Marie Landsberg, Ann Kathrin Kleist



